Thrombose auf Reisen: Wie gefährlich sind lange Flug- Auto- Bus- oder Zugreisen wirklich?
Viele Menschen kennen das Problem: An heißen Sommertagen fühlen sich die Beine schwer an, die Schuhe sitzen plötzlich enger und die Knöchel wirken geschwollen.
In den meisten Fällen handelt es sich dabei um eine normale Reaktion des Körpers auf hohe Temperaturen und nicht um eine Erkrankung.
Was ist eine Reisethrombose?
Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einer Vene, meist im Bereich des Unterschenkels oder Oberschenkels. Mediziner sprechen dann von einer tiefen Venenthrombose.
Gefährlich wird die Situation, wenn sich Teile des Gerinnsels lösen und über den Blutkreislauf in die Lunge gelangen. Dort kann eine sogenannte Lungenembolie entstehen – ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Erhöhen lange sitzende Reisen das Thromboserisiko?
Blutgerinnsels leicht an. Das gilt nicht nur für Flugreisen, sondern auch für lange Fahrten mit dem Auto, Bus oder Zug.
Die gute Nachricht: Für gesunde Menschen bleibt das Risiko insgesamt sehr gering. Untersuchungen zeigen zwar, dass das Risiko nach einer Langstreckenreise etwa zwei- bis dreimal höher ist als im normalen Alltag. Dennoch treten symptomatische Thrombosen nur selten auf.
Nach Schätzungen entwickelt etwa eine von mehreren Tausend Personen nach einer Langstreckenreise eine behandlungsbedürftige Thrombose.
Wichtig ist außerdem: Das erhöhte Risiko endet nicht unmittelbar nach der Ankunft. In den ersten ein bis zwei Wochen nach der Reise bleibt die Wahrscheinlichkeit für ein thromboembolisches Ereignis leicht erhöht.
Warum begünstigt langes Sitzen die Entstehung einer Thrombose?
Der wichtigste Auslöser ist die mangelnde Bewegung der Beine.
Normalerweise unterstützt die Wadenmuskulatur den Rücktransport des Blutes zum Herzen. Jeder Schritt wirkt dabei wie eine kleine Pumpe. Wer über viele Stunden nahezu bewegungslos sitzt, nutzt diese natürliche Unterstützung kaum noch.
Dadurch fließt das Blut langsamer durch die Beinvenen und kann sich stauen. Dieser verlangsamte Blutfluss gehört zu den wichtigsten Faktoren bei der Entstehung einer Thrombose.
Zusätzlich können bestimmte persönliche Risikofaktoren die Blutgerinnung verstärken und die Wahrscheinlichkeit eines Gerinnsels weiter erhöhen.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Nicht jeder Reisende ist gleich gefährdet. Während für die meisten Menschen nur ein geringes Risiko besteht, sollten bestimmte Personengruppen besonders aufmerksam sein.
Zu den Hochrisikopatienten gehören Menschen mit:
bereits durchgemachter Thrombose oder Lungenembolie
aktiver Krebserkrankung
grösseren Operationen in den letzten Wochen
schweren Verletzungen oder Unfällen
mehreren gleichzeitig vorhandenen Risikofaktoren
Mässig erhöhtes Risiko besteht außerdem bei:
Schwangerschaft oder Wochenbett
Einnahme hormoneller Verhütungsmittel
starkem Übergewicht
erblich bedingten Gerinnungsstörungen
chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen
längerer Immobilität oder eingeschränkter Beweglichkeit
Wer zu einer dieser Gruppen gehört, sollte vor längeren Reisen mit seinem Arzt besprechen, welche Vorsorgemaßnahmen sinnvoll sind.
Welche Beschwerden können auf eine Thrombose hinweisen?
Eine Thrombose verursacht nicht immer eindeutige Symptome. Dennoch gibt es einige Warnzeichen, die ernst genommen werden sollten.
Mögliche Hinweise sind:
Schwellung eines Beines
Schmerzen oder Spannungsgefühl in der Wade
Druckempfindlichkeit
Überwärmung der betroffenen Region
bläuliche oder rötliche Hautverfärbung
Besonders verdächtig ist die Kombination mehrerer dieser Beschwerden auf nur einer Körperseite
Wann besteht Verdacht auf eine Lungenembolie?
Eine Lungenembolie kann sich plötzlich entwickeln und erfordert sofortige medizinische Abklärung.
Typische Warnsignale sind:
plötzlich auftretende Atemnot
stechende Schmerzen beim Einatmen
Herzrasen
Kreislaufprobleme oder Ohnmacht
selten auch blutiger Husten
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Patient mit einer Lungenembolie hatte zuvor erkennbare Beschwerden in den Beinen. Deshalb sollten diese Symptome immer ernst genommen werden.
Was hilft nachweislich zur Vorbeugung?
Bewegung bleibt die wichtigste Maßnahme
Die wirksamste und einfachste Vorbeugung besteht darin, die Beinmuskulatur regelmäßg zu aktivieren.
Empfohlen werden:
Fuss- und Wadenübungen im Sitzen
regelmäßiges Strecken der Beine
Aufstehen und Gehen in den Kabinengängen, Gängen oder Rast auf Rastplätzen
Vermeidung beengender Sitzhaltungen
Ideal ist es, die Beine etwa alle 30 bis 60 Minuten bewusst zu bewegen.
Sind Kompressionsstrümpfe sinnvoll?
Kompressionsstrümpfe können bei Personen mit erhöhtem Risiko eine sinnvolle Ergänzung sein.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sie Schwellungen der Beine reduzieren und die Entstehung kleiner, oft symptomloser Thrombosen verringern können.
Besonders empfohlen werden medizinische Kompressionsstrümpfe bei:
Langstreckenflügen über sechs bis acht Stunden
bekannten Risikofaktoren für Thrombosen
früheren thromboembolischen Ereignissen
Welche Kompressionsklasse geeignet ist, sollte individuell ärztlich abgeklärt werden.
Wie wichtig ist ausreichendes Trinken?
Viele Reisende hören den Rat, während ihrer Reise besonders viel zu trinken. Tatsächlich ist die wissenschaftliche Beweislage hierfür begrenzt.
Dennoch erscheint eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sinnvoll, da sie zur allgemeinen Kreislaufstabilität beiträgt. Alkohol sollte möglichst nur in kleinen Mengen konsumiert werden, da er die Flüssigkeitsbilanz beeinträchtigen kann.
Entscheidend bleibt jedoch: Trinken allein ersetzt keine Bewegung.
Braucht man Medikamente zur Vorbeugung?
Für gesunde Reisende ohne Risikofaktoren werden Medikamente zur Thromboseprophylaxe in der Regel nicht empfohlen.
Bei Personen mit deutlich erhöhtem Risiko kann in Einzelfällen eine vorbeugende Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten sinnvoll sein. Häufig kommt dabei eine einmalige Heparin-Injektion infrage.
Aspirin eignet sich nach aktuellem Wissensstand nicht zur Vorbeugung einer Reisethrombose. Ob Medikamente notwendig sind, sollte immer individuell mit einem Arzt entschieden werden.
Geschwollene Beine nach dem Flug – harmlos oder gefährlich?
Viele Menschen bemerken nach langen Flügen geschwollene Füße oder Unterschenkel. In den meisten Fällen ist dies eine harmlose Folge des langen Sitzens und der verminderten Muskelaktivität.
Besonders typisch ist eine beidseitige, schmerzlose Schwellung.
Treten dagegen folgende Beschwerden auf, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen:
einseitige Schwellung
Schmerzen in Wade oder Bein
zunehmende Beschwerden nach der Reise
Atemnot oder Brustschmerzen



